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Struktureller Vergleich deutscher Stadtbahnsysteme
15. 08. 2019, 15:48 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15. 08. 2019 15:50 von Alt-Schmöckwitz.)
Beitrag #1
Struktureller Vergleich deutscher Stadtbahnsysteme
Guten Tag zusammen.
Letzte Woche war ich u.a. in Bremen und wieder einmal in Köln und mir ist erneut aufgefallen, wie die Stadtbahn-Systeme großer Städte in Deutschland sich doch teilweise deutlich unterscheiden.

Ich habe vor in loser Folge anhand ausgewählter Kriterien eine Stadt vorzustellen, heute explizit im Vergleich zu Stuttgart.

Folge 1: KÖLN

Köln ist die vierte Millionenstadt Deutschlands (wenn auch nur knapp) und so ist die ominöse Grenze für den wirtschaftlichen Betrieb einer echten U-Bahn erfüllt. In der ersten Phase der Entwicklung des Stadtbahnsystems in den 60er-Jahren war Köln natürlich noch kleiner und wie eigentlich alle großen Schienen-Städte in NRW wollte man ohnehin lieber die vorhandenen Straßenbahnen weiterentwickeln.
So entstand bis 1968 das erste Tunnelstück mitten in der Innenstadt, bis heute das Herzstück des Netzes und chronisch überlastet (Dom/Hbf., Appellhofplatz, Neumarkt, Poststr.).
Anders als in Stuttgart wurden keine kreuzungsfreien Überwerfungsbauwerke gebaut. Daher behindern sich die Äste der 16/18 und 3/4 zwei Mal gegenseitig.

Doch nun zu den Kriterien:
1. Umfang des Liniennetzes und Stammstrecken in der Innenstadt
Ich habe die Streckenlängen nicht genau verglichen, aber auch von der Linienanzahl her gesehen zeigt sich wieder einmal, wie gut ausgebaut unser Stuttgarter Stadtbahnnetz ist! Für eine Millionenstadt besitzt Köln recht wenige Stadtbahnlinien (Verstärkungslinien - gerade in Stuttgart - zählen nicht).
In der Innenstadt gibt es die oben beschriebene Nord-Süd-Strecke, die Ringe (in ein paar Jahren auch die dritte Nord-Süd-Strecke) und die betrieblich getrennte Ost-West-Strecke.
In Nord-Süd-Richtung hat Köln dann deutlich mehr Flexibilität als Stuttgart. Wir kranken an nur zwei Stammstrecken (eine mit Verzweigung).

2. Fahrzeuge
Die DUEWAG-B-Wagen (6-Achser mit Jacobs-Drehgestell) sind deutlich wendiger als unsere A-Wagen. Und flexibler zusammenstellbar. 30m, 60m und wohl bald auch 90m. Dieser Wagen wäre optimal für Stuttgart, dies habe ich auch an anderer Stelle schon geschrieben.
Die Instandhaltung und Sauberkeit lässt aber zu wünschen übrig. Stuttgart ist da natürlich die höchste denkbare Messlatte in Deutschland.

3. Bedienung (Taktzeiten)
Teilweise in Köln eine Frechheit!
10Min-Takt Mo-Fr tagsüber ist ok, aber auch Minimalstandard in einer Stadt mit mehr als 500.000 EW, und Köln ist wie gesagt sogar Millionenstadt. Linie1 ist zusätzlich verstärkt, Linie 18 ebenso.
Aber: schon nach 19 Uhr Übergang auf 15Min-Takt (Stuttgart 20.30 Uhr).
Doch wirklich eine Frechheit ist der ganztägige 15Min-Takt an Samstagen (!) und Sonntagen.
Fast schon nebensächlich, aber für Feiernde ärgerlich der 30Min-Takt bereits nach 23 Uhr.

MEIN FAZIT:
Die deutlich kleinere Stadt Stuttgart ist Köln mit seinem Stadtbahn-System überlegen!
Allerdings auch deutlich spießiger Smile

Tram 68 S-Bhf Köpenick - Alt-Schmöckwitz
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16. 08. 2019, 20:45
Beitrag #2
RE: Struktureller Vergleich deutscher Stadtbahnsysteme
In NRW hat man in einigen Städten zwar Stadtbahntunnel gebaut, aber an der verbliebenen oberirdischen Struktur kaum etwas verändert. Auch in Düsseldorf und in Dortmund ist es der Fall, dass die Züge fast nur im Tunnel barrierefrei fahren, darüber hinaus aber so gut wie überall die Klappstufen an den Türen gebraucht werden. An sehr vielen Stellen sind darüber hinaus die Stadtbahnen auch überhaupt nicht vom übrigen Verkehr entmischt.

Da haben die Systeme in Stuttgart, Frankfurt und Hannover schon mehr U-Bahn-Charakter, wobei es in Bonn und in Bochum gelungenere Beispiele gibt. Auffallend ist dabei auch, dass in Bochum und Bonn die Haltestellen vollständig mit einem U beschildert sind, während in den anderen Rhein-Ruhr-Städten nur die unterirdischen Stationen mit einem weissen U auf blauem Hintergrund beschildert sind. Ferner sind die Netze in Köln und Bonn miteinander verbunden, wobei man schon an der Streckenqualität erkennen kann, wann man in Köln angekommen ist.
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