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Fragestellung Umgang Kapazitätsbedarfe „Stadtbahn-Stammstrecken“
#67
(11. 01. 2026, 20:40)vloppy schrieb:
(11. 01. 2026, 18:17)Micha schrieb:
(11. 01. 2026, 14:42)vloppy schrieb: Mal ne Frage dazu - könnten alle Innenstadtlinien überhaupt auf Straßenbahn umgebaut werden? Die Steigungen der 40/43/44 Ri. Killesberg/Nord sind ja schon recht sportlich.
Verstehe Deine Frage nicht; die 41 bis 44er-Busse waren doch früher Straßenbahnstrecken !

So alt bin ich nunmal nicht und auch erst seit 2009 in S ansässig  Wink

Alle Innenstadtbuslinien waren bis 1978 als Strassenbahnen unterwegs und fielen dem U-Bahn-Wahn sowie der "autogerechten Stadt"-Denkweise der 1960er-Jahre zum Opfer. Kurz zusammengefasst (es gibt jede Menge ausführliche Literatur, Fotos und Artikel, auch im Strassenbahnmuseum in Bad Cannstatt kann man sich bestens informieren) : 
Linie 41 : fuhr bis 1961 als Strassenbahnlinie "3" 
Linie 42 : fuhr auf dem Ast Schreiberstr. - Schwabtunnel - West - Hegelstr. - Hbf -  Werfmershalde - Ostendplatz bis 1972, auf dem Ast Gablenberg - Ostendplatz bis 1978 als Linie "8" - die Steigungen wurden mit dem DoT4 bewältigt (früher T2 + BW), GT4 konnte nicht fahren wg. zu steiler Strecke (Werfmershalde) sowie zu engen Kurven und fehlendem Lichtraumprofil (Gablenberg)
Linie 43 : fuhr als Linie "10" (noch früher fuhr der Ast Doggenburg als Linie 7) mit  DoT4 bis 1976. GT4 konnte nicht eingesetzt werden wg. Lichtraumprofil. 
Linie 44 : Ast Killesberg als Linie "10" (siehe oben), auf dem Ast Leipziger Platz - Westbahnhof waren die Linien 14 und 21 zu Hause (gefahren mit GT4). Das Ende kam 1978. 

Alle Innenstadtlinien der Strassenbahn wurden sukzessive in den 70er Jahren eingestellt, da die alten Strecken nicht in die U-Strab-Tunnel eingeplant wurden und es an Ausfädelungen fehlte. Dreh-und Angelpunkt dieser Strecken waren die oberirdischen Kreuzungen am Hauptbahnhof, an der Staatsgalerie, in der Heilbronner Strasse sowie in der Königstrasse/Schlossplatz. Bei jeder Tunneleröffnung (1972 Neckartor - Marienplatz, 1976 HBF, 1978 Schlossplatz) wurden gleichzeitig alle nicht eingeplanten Teilstrecken stillgelegt. 1972 fiel die Kreuzung Ri. Werfmershalde bei der Staatsgalerie weg (Einstellung des Nordastes Linie 8). 1976 wurde das Bauwerk HBF eingeweiht (Einstellung Li. 10 da der Ast Ri. Killesberg nicht mehr befahrbar war), 1978 kam es dann zum endgültigen Ende der Strassenbahn in der Königstrasse und in S-West, mit Folge dass sämtliche Einfädelungen am Schlossplatz wegfielen und eine sinnvolle Linienführung nicht mehr möglich war. 

Der Ast Westbahnhof hätte an sich bleiben können, aber er wurde wg. Doppelbedienung der Rotebühlstr. von der (damals neuen) S-Bahn eingestellt. Man sollte auch bedenken dass in der Bauzeit (1971-1978) viele Strecken umgeleitet wurden und eine Rückführung auf die alte Linienführung unverhältnismässig schien. 
Auch war die enge Streckenführung, was die GT4-Fahrzeuge ausschloss, ein weiterer Faktor. 

Wenn man sich jetzt das Ganze nach fast 50 Jahren anschaut, so wurde m.E. nach viel falsch gemacht. Aber dies ist dem Tunnelwahn der Politik in West-Deutschland anzuschulden, und weniger der Stadt Stuttgart, die eben damals mit dem Strom mitgeschwommen war.
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RE: Fragestellung Umgang Kapazitätsbedarfe „Stadtbahn-Stammstrecken“ - von der cannstatter - 12. 01. 2026, 09:25

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